Rückblick 2015

Leitthema: Sharing, Social Collaboration, Crowdsourcing: Zukunft oder Hype?

Die Welt ist im Umbruch: Tauschen und Teilen hält Einzug in alle Lebens- und Arbeitsbereiche. Know how und Skills genauso wie Haushaltsgeräte, Projekttasks, Geschäftsideen oder Appartments. Wir tauschen und teilen – und generieren Mehrwert für alle Beteiligten. Diese globale Entwicklung macht auch vor der Region Basel nicht halt. Was bedeutet das für jeden von uns?

  • Was bedeuten “Sharing Economy”, “Social Collaboration” und “Crowdsourcing” eigentlich?
  • Welche Entwicklungen finden derzeit auf internationaler Ebene und in der Schweiz statt?
  • Ist dieser Trend auf das Internet beschränkt und welche Rolle spielt die Technologie dabei?
  • Was bedeutet das für Unternehmen, Private und die Gesellschaft, nicht zuletzt hier in der Region Basel? Ist die Sharing Economy unsere Zukunft oder ein Hype von ein paar Jahren?

Diese Themen und mehr wurden am 29.10.2015 von ausgewiesenen Experten anschaulich und umfassend den mehr als 50 Teilnehmern erläutert:

Eine lebhafte Podiumsdiskussion mit reger Teilnahme des Publikums folgte, moderiert von David Weingartner, dem Connector für D-A-CH von OUISHARE in Paris.

Den Abschluss bildete ein “Apéro Riche” mit weiterem intensiven Gedankenaustausch und Networking.

Themenübersicht

Begrüssung und Einführung: Frank Wolff

Übersicht Crowdsourcing- und  Sharing-Szene: Claudia Pelzer

Praxis- und Erfahrungsbericht: Adrian Gerber

Geschäftsmodelle rund um die Sharing Economy und Entwicklungen: René Lisi

Führungsprinzipien in der neuen Welt: Armin Ruser

Podiumsdiskussion und Fragen aus dem Publikum: Referenten mit dem Moderator David Weingartner

Learnings und Abschluss: Frank Wolff

Apero, Networking, Gespräche mit Referenten und Eventpartnern

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So war’s 🙂

Angefangen hat’s mit einer lockeren Diskussion auf den fluffigen Kissen im Oberdeck der Launchlabs: Dass es schön wäre, als Skillharbour und omanet mal was Gemeinsames zu machen – ein Event vielleicht, das auf unseren gemeinsamen Themen aufbaut. Irgendsowas.

Was am Schluss dabei rauskam: Die erste Sharing Economy Night Basel, die gestern mit fünf hochkarätigen Speakers aus der Sharing- und Innovationsszene und einer dicht besetzten Eventhalle der Launchlabs Basel über die Bühne gegangen ist. Das Thema ist uns hier auf der Plattform dank des Vorprojekts ja schon seit längerem bekannt: „Sharing Economy – Zukunft oder Hype?“

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Zum Intro gab’s ein paar brennende uber-Taxis und eines der widerlichsten jemals über Facebook mit dem Rest der Welt geteilten Foodporn-Bilder – zur Veranschaulichung, dass die Sharing Economy im Grossen und Kleinen schon bis in die letzten Winkel unseres Lebens vorgedrungen ist. Auch wenn’s manchmal eklig ist.

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Anschliessend eine Auslegeordnung der Crowd- und Sharing Economy von Claudia Pelzer, Gründerin von crowdsourcingblog.de und als Vorsitzende des deutschen Crowdsourcingverbandes sozusagen oberste Crowdsourcerin in Deutschland. Ausserdem ein paar konkrete Beispiele, wie sich Wertschöpfungsketten durch die Sharing Economy verändern: Der grösste Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten besitzt keine einzige Immobilie, das weltweit grösste Taxiunternehmen kein einziges Taxi. Dass sich dabei auch unsere Bedürfnisse verändern, ist nur folgerichtig:

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Im zweiten Referat dann ein tiefer Einblick in die Praxis: Adrian Gerber, CEO und Partner von Atizo 360° zeigt, welchen Weg der Schweizer Pionier in Sachen Open Innovation zurückgelegt hat, welche Erfahrungen gemacht und welche Lehren daraus gezogen wurden. Die Überzeugung vom Potenzial hinter dem Crowdsourcing hat dabei nicht gelitten: „Selbst ein Unternehmen wie Google muss sich im Klaren darüber sein, dass es ausserhalb ihrer Mauern mehr Ideen gibt als innerhalb“. Wobei auch da alles seine Grenzen hat:

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Anschliessend ein Blick auf die Economy hinter dem Sharing, präsentiert von René Lisi, Vorstand und Mitgründer von Sharecon: Welche Geschäftsmodelle entstehen in diesem neuen Umfeld und wohin entwickeln sie sich? Die Vielzahl der neuen Modelle – von Service Fee oder Freemium über Tiered Subscription Plans, On-Sale und White Label-Modelle bis hin zu Flat Membership und Membership plus Usage – bildet die neuen Konsumgewohnheiten in der Sharing Economy ab und bleibt definitiv dynamisch. Nur manches bleibt gleich:

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Das Finale: Armin Ruser – Theologe, Unternehmer und Redner – zeigt anschaulich, warum es Sinn macht umzudenken – und wie man die Voraussetzungen dafür schaffen kann. Krisen sind dafür mitunter die beste Startbedingung – und Hoffnung, Vertrauen und eine klare Vorstellung vom Ziel die besten Begleiter. Armin nimmt man das ab: Er hat es nach einem schweren Motorradunfall selbst vorgelebt. Die Rezepte, die uns den Weg in die Zukunft bahnen, können dabei aus ferner Vergangenheit kommen:

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45 Minuten vor Schluss geht’s dann nochmal richtig zur Sache: In der von David Weingartner – OUISHARE-Connector unter anderem für die Schweiz – souverän moderierten Podiumsdiskussion wird’s nichts mit entspanntem Bälle-Hin-und-Herschieben. Das Publikum mischt die Diskussion kräftig auf und lenkt das Gespräch auf Kehrseiten, Kontroversen und Spannungsfelder der Sharing Economy. Aus Fragen und Antworten gemeinsam entsteht so im Laufe der Diskussion eine plastische Vorstellung der Mechanismen und Kräfte, von denen die Sharing Economy geformt, getrieben, gebremst und laufend herausgefordert wird:

Auf der einen Seite Effizienzsteigerung durch bessere Ressourcennutzung, Kunden mit ihrem permanenten Drang zur Optimierung des Value for money und eine ungebremst voranschreitende Technologie, die Informationsverfügbarkeit immer selbstverständlicher macht. Auf der andern Seite Regulatorien aus einer traditionell und territorial strukturierten Welt, Ausbeutung von schlecht organisierten und ungeschützten Crowdworkers mit allen ihren Folgen, allgemeine Qualitätsverschlechterungen durch die fortschreitende Amateurisierung, das nach wie vor fehlende Vertrauen ins anonyme Gegenüber im Internet und nicht zuletzt die Frage, ob Effizienzsteigerung am Ende nicht einfach zu Mehrkonsum führt – und das Rad sich dadurch nur noch schneller dreht.

Wahrscheinlichstes Szenario: Die Sharing Economy befindet sich inmitten des Hype-Zyklus – irgendwo kurz vor dem Peak der überzogenen Erwartungen. Über den kleinen Umweg von Enttäuschung und Erleuchtung wird die Sache irgendwann das Plateau der Produktivität erreichen: Die Welt hat sich dann nachhaltig verändert und alle finden’s ganz normal. Sowas kommt öfters vor: Das Internet hat das Platzen der Dot.com-Bubble ja schliesslich auch überlebt.

Mit der Ideologie einer besseren und gerechteren Welt hat die Shareconomy dagegen nichts zu tun – darin sind sich alle einig. Einigkeit aber auch darin, dass sie neue und andersartige Möglichkeiten eröffnet die Zukunft zu gestalten. Noch ein bisschen gemeinsamer als bisher vielleicht – und mit der Möglichkeit für jeden Einzelnen, seine ganz aktive Rolle dabei zu spielen. Und genau darin liegt ja das Wesen des Teilens.

Gewichtige Themen also in der Halle – und so sieht das aus (mehr Fotos auf Impressionen):

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Das Prinzip des Teilens wird beim anschliessenden Apéro gleich einem Praxistest unterzogen – und scheint zu funktionieren: Jeder kriegt was ab.

Was aber noch nicht das Ende ist: Wir bleiben am Thema!

Bleibt noch eines: Ein ganz herzlicher Dank an alle, die diesen Event in irgendeiner Weise unterstützt haben. Es hat sich gelohnt – und deshalb machen wir’s wieder:

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